turmspiele_9
irrlichter
johann wolfgang von goethe_das märchen
„Das Märchen“ ist beim erstmaligen Lesen ein eigentümliches Erlebnis. Irrlichter treiben Unfug mit einem Fährmann und werfen buchstäblich mit Gold um sich. Die Sprache ist zwar sachlich be- schreibend, der Gegenstand aber seltsam bis un- wirklich. Dieses Kleinod von Johann Wolfgang von Goethe könnte auch von Kurt Schwitters oder Christian Morgenstern sein, denn es erscheint an- fangs so skurril und verrückt wie eine Nonsens- geschichte. Dann aber tauchen Momente der Klar- heit auf. Im weiteren Verlauf wird man sich allmählich immer sicherer: Das ist nicht nur ernst gemeint, das ist eine Vision! Ob es dabei um eine real bessere Welt gehen mag, um menschliche Reifungsprozesse oder um etwas Religiöses, bleibt letztlich unklar. Denn wie bei allen Märchen ist nicht die Erklärung des Inhaltes das Ziel, sondern die traumhafte Reise an der man teilhat.